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Brief vom 23.10.1944

Jablunkau, den 23.10.44

21.00

Meine lieben Eltern und liebe Ilse!

Heute erhielt ich mit großer Freude Eure beiden Briefe, wofür ich Euch herzlichst danke. Aber leider ist Euer liebes Paket immer noch nicht da. Na, hoffe ich eben weiter. –

Ja, bei uns war hier in der letzten Zeit wieder mal etwas los. Erst heute wieder. Und die Flieger kommen auch des öfteren. Hier in der Nähe sind vorgestern auch 3 Bomben gefallen. Die wollten die Eisenbahnlinie treffen, aber es ging wieder daneben. Ich habe gerade draußen in einem Schützenloch geschlafen, da pfiff was durch die Luft. Und wie ich wieder richtig munter war, da gab’s auch schon einen Knall und gleich dahinter noch zwei und in Richtung des Sanatoriums stieg auch schon eine Rauchsäule hoch. Die kommen bei uns immer um die Mittagszeit. Gerade wenn der T.v.D. pfeift: „Tischdienste fertig machen zum Raustreten!“, da klingelt das Telephon und das Postamt gibt „Fliegeralarm“ durch. Ihr müßtet da mal hier sein und aufpassen wie das so alles vor sich geht. In 3 Minuten nach dem Fanfarensignal muß alles verschwunden sein. Und dabei ist manchmal gerade „Leibeserziehung“ nur mit Turnhose angezogen. In 3 Min. ist aber auch die gesamte Abtlg. Mit Gewehr, Seitengewehr und Gasmaske ausgerüstet, in den Deckungslöchern. Der Feuerlöschtrupp mit Feuerlöschgeräten und Sanitätstrupp mit Krankentragen u. Verbandstornister hat immer am meisten zu tun. Am besten hat es wieder die „Schreibstube“. Die erfährt zuerst den Alarm. Da pack ich schon meine Stammrolle u. Gewehr und gehe dann zum Abtlgsführer und auf die Wache, melde den Alarm, dann kommt das Signal, da bin ich schon längst in meinem Deckungsloch. Dann schlafe ich.

Nun aber Schluß vom Alarm, denn das wollte ich Euch ja gar nicht schreiben. Sonst wäre hier aber auch nichts weiter zu berichten. Der genaue Entlassungstermin steht noch nicht fest.

Heute waren 3 Züge im Einsatz in der Slowakei. Der 1., 3. u. 4. Der 2. Zug muß Laufgräben um das Lager bauen.

Jetzt ist kein richtiger Dienst mehr. Nur noch Lagerarbeiten von Früh bis Abend.

 Heute Mittag gab es Haferflockensuppe. Da hab ich mich wieder mal voll gegessen. Es gibt jetzt das Mittagessen immer Abends, weil da die Einsatzzüge kommen. – Schlafen tue ich jetzt bis um 7.00, obwohl um 6.00 wecken ist. Dann gehe ich waschen, ziehe mich an, baue mein Bett etwas und frühstücke. ½ 8 gehe ich dann auf die Schreibstube. Da hat ein Leichtkranker bereits Feuer gemacht, entdunkelt u. Staub gewischt. Dann fange ich an zu arbeiten. –

Ja, die Raucherkarte haben wir bekommen, aber die können wir auch behalten, wenn wir dann entlassen werden. Die gilt ja sowieso jetzt 4 Monate.

Am Sonnabend war ich im Kino. „Die tolle Nacht“ mit Martl Harell, Gustav Fröhlich und Theo Lingen. Ein prima Film. Am Mittwoch gehe ich vielleicht wieder. „Wildvögel“.

Sind bei Euch jetzt die Kinopreise auch einheitlich? Bei uns hier kostet jeder Platz -,60 RM bzw. -,30 RM für uns. Und wer da zuerst dort ist, der hat eben den besten Platz. –

Nun muß ich aber Schluß machen, denn es wird soeben Zapfenstreich geblasen. –

Bleibt also recht gesund und seid vielmals herzlichst gegrüßt von

                                                                               Eurem Wolfgang

Die beiden Briefe waren Nr. 60 (v. Ilse) und Nr. 61.

Nun

Gute Nacht!

 

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Stand: 21.10.02