Brief vom 22.08.1944
(Poststempel Jablunkau, d. 22.8.44)
Meine lieben Eltern und liebe Ilse!
Gestern Abend
erhielt ich Eure liebe Karte (14) sowie Ilses lieben Brief (11). Habt recht
vielen Dank dafür. Gefreut habe ich mich natürlich, wie immer. Allerdings nicht,
wo ich das von F___ Horst las. Der
hatte sonst immer solches Glück und kam gut davon, aber nun hat es ihn aber auch
erwischt. Na, daß ist ja auch noch nicht der Letzte. –
Ich schreibe Euch
heute gleich früh einen Brief, weil die ganze Abteilung heute Scharfschießen
geht. Da bin ich mit nur noch ein paar anderen Arbeitsmännern allein in der
Abteilung. Es ist jetzt genau 7.00 Uhr. –
Seife und
sonstige Waschmittel benötige ich nicht. Wenn mein Drillichzeug schmutzig ist,
dann gehe ich auf die Kammer und sage, es sei zerrissen. Dann bekomme ich ganz
neues. So habe ich das schon gemacht. – Ich habe ja keine Zeit, mir das
Drillichzeug zu waschen! —
Nun, lieber
Vatel, ist es Dir wieder besser? Wenn nicht, dann wünsche ich Dir eine baldige
Besserung! – Wir sind nun schon in der 4. Woche. Die Zeit vergeht hier sehr
schnell. – Von der Firma ist immer noch nichts da! Ob die denn meinen Brief
bekommen haben?—
Wie ich Ilse’s
lb. Zeilen ersehen konnte, waren die Flieger wieder mal in Leipzig. Bei uns hier
geht es eigentlich mit dem Alarm. Ab und zu sind mal welche hier, aber die
fliegen ganz ruhig über uns hinweg. Habt Ihr denn schon meinen Brief vom Sonntag
erhalten?—
Liebe Ilse! Bei
nächster Gelegenheit schreibe ich Dir auch wieder einen Brief. Vielleicht wird
es heute noch.—
Nun muß ich aber
schließen, denn ich habe viel zu erledigen heute.
Bleibt alle recht
gesund und seid vielmals herzlich gegrüßt von Eurem
Wolfgang
Liebe Muttel!
Bist Du denn richtig gesund? Oder hat Dich die Fahrt nach Aue zu sehr
angestrengt? ---
Der Am. Hammer
aus Oelsnitz ist mit in meiner Stube. Er liegt allerdings zur Zeit in der
Heilstube! –