Brief vom 15.09.1944
Jablunkau, den 15.9.44.
Meine lieben Eltern und liebe Ilse!
Entschuldigt
bitte, daß ich Euch habe wieder so lange warten lassen mit der Post, aber ich
war bzw. bin nach 2 Tagen Außendienst zur Abwechslung wieder einmal ins Revier
gekommen. Hier durfte ich 3 Tage nicht aus dem Bette und so ist es mir erst
heute, am 4. Tage möglich Euch wieder zu schreiben. Nicht einmal eine
Geburtstagskarte für Dich, lieber Vatel, durfte ich schreiben. Entschuldige das
bitte. Ich will dies hiermit gleich nachholen und wünsche Dir alles erdenkliche
Gute und ein noch recht langes, gesundes und zufriedenes Leben. Leider ist es
mir hier in diesem Kuhnest (?) nicht möglich, irgend etwas Brauchbares für Dich
aufzutreiben. Nach meiner völligen Gesundheit hier in der Heilstube komme ich ja
wieder in die Verwaltung. Da will ich mal sehen, ob der Verwalter mir nicht aus
der Kantine etwas vermachen kann. – Als Krankheit ist bei mir immer das Übliche,
Fieber, Kopfschmerzen usw. Aber mir geht es bereits wieder ganz gut. -- Bei Dir,
lieber Vatel ist wohl auch nun das Schlimmste vorbei! Sonst geht es Euch wohl
gesundheitlich ganz gut? –
Auch für Deine liebe Karte vom 9.9.,
liebe Muttel, danke ich Dir bestens. Na, wenn ich noch in der Heilstube bin,
dann wird der Inhalt ja nicht verteilt. Habt Ihr denn schon meinen Einschreiber
erhalten?
Heute war der
„Generalarbeitsführer“ bei uns. Das ist ja ein ganz hohes Vieh. Da mußten wir
sogar „stillgestanden“ im Bette liegen. Verrückt !!
Außerdem haben
wir hier einen neuen Abteilungsführer bekommen. Oberstfeldmeister Zimmermann.
Nein! Diese hohen Herrschaften. Schrecklich!
Ja, ich glaube, daß ich meinen
Geburtstag wahrscheinlich schon zu Hause verbringen kann. Nach den bisherigen
Meldungen werden wir am 26. Sept. entlassen. Es ist allerdings noch nicht fest.
Zur Politik schweige ich!!
