Brief vom 25.08.1944
(Poststempel Jablunkau, d. 25.8.44)
Meine lieben Eltern und liebe Ilse!
Heute bin ich
wieder einmal verpflichtet Euch zu schreiben, denn erstens kam heute ein Brief
von Euch und zweitens landete auch heute Euer prima Paket. Habt für beides recht
herzlichen Dank. Daß ich mich gefreut habe, brauche ich wohl gar nicht mehr zu
schreiben. –
Also, Ihr müßtet
mal die Pakete sehen, die hier ankommen. Da ist bestimmt mein Paket immer das
bestverpackteste! Da landen hier manchmal Päckchen, -- also, -- nur noch ein
kleines Häufchen. Alles Brei. Sogar das Papier. Also, jedenfalls schmecken die
Quarkspitzen prima! Ich kaue gerade noch! – Es ist Abend. ½ 9 Uhr. Ich bin noch
in der Schreibstube. Da habe ich wenigstens Ruhe. Kein Mensch stört mich da. Ich
bin ganz alleine hier.—
Wie ich aus Euren
lieben Zeilen ersehen konnte, ist Muttel bereits wieder nach Aue gefahren. Na,
wenn mein Brief ankommt, ist sie sicher schon wieder zurück. Bei uns ist das
Wetter immer noch sehr schön. Allerdings könnte es ruhig einmal regnen. Bei
dieser Bullenhitze bekommt man natürlich immerhin eine trockene Kehle und
Trinkwasser gibt es hier nicht, also sind wir nur auf unseren Kaffee, Tee bzw.
Milch angewiesen.
Recht vielen Dank
für die Grüße von Harald. Habt Ihr ihm meine Adresse gegeben? –
Nun muß ich aber
schnell meinen Brief zu Ende führen, denn ich muß ja erst noch verdunkeln in der
Schreibstube. –
Also, nochmals
recht vielen Dank für Alles und bleibt alle recht gesund.
Es grüßt Euch
recht herzlich
Euer
Wolfgang
Liebe Ilse!
Entschuldige
bitte, daß ich Dir noch nicht wieder geschrieben habe, aber ich weiß gar nicht
mehr, wann ich schreiben soll. Na, am Sonntag haben wir Nachmittag wieder frei.
Am kommenden Mittwoch werden wir vereidigt. Dann bekommen wir Ausgang. Da werde
ich Euch wohl öfters schreiben können. – Also, -- nochmals.
Gute Nacht!