Brief vom 18.08.1944
Jablunkau, d. 18.8.44
Meine lieben Eltern und liebe Ilse!
Heute erst komme
ich wieder dazu Euch ein paar Zeilen zu schicken. Inzwischen ist auch von Euch
schon allerhand Post eingetrudelt, aber Euer liebes Paket (__
Nr. 4) ist bis zum heutigen Tage noch nicht da. Das andere Paket ist gekommen.
Das habe ich Euch schon mitgeteilt. Als ich das von Meier Werner gelesen
habe, war ich ziemlich erschüttert. So viel Hoffnung hatte ich ja sowie so
nicht, denn der war ja bei der Waffen-SS. – Meine Stiefel sind auch passend. –
Ich habe jetzt immer so viel Arbeit, daß ich gar nicht mehr weiß wo ich anfange.
Ich brauche zwar keinen Dienst mitzumachen, aber trotzdem gibt es bei mir immer
Druck. Ich lege Euch heute einmal je 1 Dienstplan v. Donnerstag zu Freitag bei.
Aber bitte zeigt diese Sachen nicht herum, sonst fliege ich
__, wenn das raus kommt.
Muttel ist also
in die Heidelbeeren gefahren. Hoffentlich hat sie Glück und findet welche. Wann
kommt sie denn wieder? Nach Aue habe ich auch schon geschrieben. Aber von der
Firma habe ich immer noch keine Post. Keine Zeitung und nichts. Ich möchte bloß
wissen, was da los ist. – Die Ölsardinen habe ich bereits gegessen. Das war
etwas feines. Aber bitte, schickt nichts, was Ihr braucht, denn das essen ist
hier nicht schlecht. Heute habe ich allerdings noch Hunger. – Nun will ich
schließen, denn ich habe noch allerhand zu tun. Bleibt alle hübsch gesund und
seid herzlichst gegrüßt von
Eurem Wolfgang