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Brief vom 23.09.1944

Jablunkau, den 23.9.44.

Meine lieben Eltern und liebe Ilse!

Heute erhielt ich Eure beiden Briefe vom 19.9. und Ilses Brief vom 18.9.44. (No.35/36) Habt recht vielen Dank dafür. Die Freude war natürlich wie immer riesengroß.

Wie Ihr wahrscheinlich schon gelesen habt, führen wir ab sofort eine offene Feldpostnummer, weil wir mit Wirkung vom 20.9. im Wehrmachtseinsatz stehen. Also könnt Ihr Euch jetzt die Briefmarken sparen. Ebenso ich. – Ja, da ist es natürlich aus, von wegen Ende September nach Hause. Wie lange wir da noch bleiben müssen, das steht noch nicht fest und richtet sich ganz nach dem militärischen Frontbild an der südwärtigen Ostfront. Hoffen wir das Beste! –

Daß Euer liebes Paket (Nr. 34) hier gut angekommen ist, habe ich Euch doch bereits mitgeteilt. Nun weiß ich allerdings nicht, wie das mit dem Päckchen bzw. Paketen wird. Wahrscheinlich kann der Versand so fortgesetzt werden, denn die Bestimmung für Feldpostpäckchen gilt wohl nur außerhalb der Reichsgrenzen. –

Ja, auch von der Firma ist das Päckchen da. Das ist allerdings die erste Post. Heute hat mich mein Abteilungsführer angehalten, weil er ja inzwischen auch erfahren hat, daß ich in einer Buchhandlung arbeite, ob die Abteilung da nicht einmal etwas bestellen könnte. Durch mich soll das natürlich geschehen. Hier bekommt man ja nichts an Bürobedarf und solchen Dingen. Allerdings weiß ich nicht, wie Frl. Puschmann darüber denkt. Ansich sind ja diese Sachen bei uns in der Firma auch knapp. Na, mal sehen, ich versuche es mal. – Wir erwarten jeden Tag hier einen höheren Besuch. Nach der Generalbesichtigung kommt nämlich hier noch die Inspekteurs-Besichtigung. Das ist noch ein höheres Vieh. Der kommt extra wegen uns aus Wien. Von mir wegen aus Moskau! Ich sitze schön brav in meiner Schreibstube und wenn der da rein kommt, muß ich nur aufspritzen und Grundstellung einnehmen. Das ist alles. Die anderen klopfen fleißig Spaten, Gewehrgriffe und noch viel viel anderen solchen Kohl. Also, wenn Ihr da manchmal aufpassen würdet, was die armen Hunde (Arbeitsmänner) alles machen müssen. Vor allem in der Wehrerziehung. Mit Gasmaske, Spaten, Gewehr, Seitengewehr, Tornister (Inhalt 2 Ziegel) Zeltbahn, Kochgeschirr u. Zubehör, Stahlhelm und noch anderen Kram müssen die fast jeden Tag 20 Minuten rennen: „Laufschritt Hinlegen ! – Auf, marsch marsch ! – Gasalarm ! – Laufschritt ! –„ und so weiter. Und die Herren Führer passen natürlich nur auf und freuen sich, wenn einer dabei umkippt. Ich, von meiner Seite, kann ja über die Führer nicht schimpfen, denn ich passe auch nur auf. Die 2 Tage, die ich Außendienst mitgemacht habe, die hat es geregnet. Da konnten wir nicht raus. Wir saßen auf unseren Truppstuben und haben nur Unterricht gehalten. Als ich aber den ersten Tag im Revier lag, da hat natürlich die Sonne wieder geschienen und es war das herrlichste Wetter zur „Wehrerziehung“. Ich habe ja bisher ein unverschämtes Schwein gehabt. Das kann man wohl sagen.

Ansonsten geht es mir noch sehr gut. Ich wüßte nun eigentlich nichts weiter zu berichten. Na, das andere Mal wieder etwas mehr.

Bleibt nun recht gesund und seid vielmals herzlichst gegrüßt von

                                               Eurem Wolfgang

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Stand: 21.10.02