Brief vom 04.08.1944
4.
VIII 44
Meine lieben Eltern und Ilse!
Heute ist nun
schon Freitag. Die Zeit vergeht hier wie im Fluge.
Allerdings haben
wir bis jetzt auch noch keinen richtigen Dienst gehabt. Erst am Montag beginnt
er. -- Ab heute bin ich schon wieder in der Schreibstube tätig. Den ganzen Tag.
Ich habe hier zu tun, daß ich kaum noch zum schreiben komme. -- .
Nun hätte ich
eine Bitte! Wir benötigen hier öfters etwas Bindfaden. Den habe ich vergessen
mitzunehmen. Außerdem brauche ich etwas weißes Stopfgarn für unseren
Drillich-Anzug. Wenn es Euch möglich ist, mir das zu schicken, wäre ich sehr
froh.
Vielleicht könnt
Ihr euch die Adresse vom „Kunz Fritz“, die liegt auf meinem Schreibtisch in dem
Briefständer (auf einem Umschlag) und von Fam. Kunz aus Pleß mit schreiben.
Durch Pleß sind wir durchgefahren.
Das war eine
ganz schöne Stadt.
Übrigens war ich
von der Stadt „Kattowitz“ sehr enttäuscht. So ein Dreckloch. Die Häuser alle
nicht geputzt. Also schrecklich. Hier die Gegend ist Prima.
Heute haben wir
den ersten „Sonnentag“. --
Was ich jetzt
schreibe, das habe ich am Sonnabend, d. 5. VIII. geschrieben. Ich bin am Freitag
nicht ganz fertig geworden nun da muß ich eben einen Tag später weiterschreiben.
Komisch!
Die Unterkunft ist hier ähnlich wie im
W.-E.-Lager. Aus Oelsnitz ist hier einer mit in meinem Trupp. -- Sie sind alle
sehr kameradschaftlich. Viele Schüler sind hier mit unter uns. Sonst geht es mir
noch gut. Desgleichen hoffe ich auch von Euch. -- Schreibt mir recht oft!
-- An die Firma habe ich auch schon einen Brief losgelassen. -- Ist denn schon
das Luftpostpapier für Elfriede gekommen? -- Morgen ist Sonntag. -- Da stehen
wir früh erst um 7.00 Uhr auf. Sonst immer ½ 6 Uhr.
Ab 2.00 Uhr
Mittag haben wir dann frei! Ausgehen dürfen wir erst in 14 Tagen. Nach
der Vereidigung. -- Hier im Lager gibt es auch eine Bücherei. Sie ist gleich
neben der Schreibstube. Den ganzen Tag habe ich heute Schreibmaschine
geschrieben. Und gestern Nacht bis 12.00 Uhr. Ich komme mir vor wie in der
Firma. So halte ich es 1 paar Jahre aus. -- Das Essen ist hier auch gut. Abends
haben wir öfters Quark und immer Tee. Allerdings ohne Zucker. -- Früh
gibt es Kaffee, Brot u. Marmelade oder Butter. Mittags gibt es auch immer prima
Essen. Außerdem öfters „Milch“. Gegen ½ 10.00 Uhr Vorm. Haben wir noch ein „zweites
Frühstück“ (Brot, Kaffee u. Butter). Nun will ich aber schließen, denn ich
muß noch Stiefel blank machen. Eine schöne Beschäftigung.
Eine Ausrüstung
haben wir hier, also schlimm! Gewehr, Stahlhelm, Seitengewehr, Tornister,
Kochgeschirr, Feldflasche, Brotbüchse, Trinkbecher, 1 Tuch-Garnitur (grau-grün)
1 Drillich –Garnitur (weiß) Unterhosen, Taghemd, Nachthemd, Sporthemd,
Sporthose, Fußlappen, Stiefel, Stiefel, Feldmütze, Handtuch, Halstuch,
Zinkbecher u. eine blaue Schürze, und heute haben wir noch einen Spaten
bekommen. Versprochen erhielten wir am ersten Tag einen Topf, einen großen und
einen kleinen Teller und ein Schneidebrett. Das alles muß schön geordnet im
Spind stehen. Und noch die anderen Sachen von zu Hause. Es ist bald zu viel.
--
Ich glaube, wenn
ich noch so weiter schreibe, da wird das noch ein ganzes Buch. --
Die Pflicht
ruft!: Stiefel und Spaten putzen, Feldmütze und
Halsbinde waschen, Schemel packen, d.h. ausziehen und alles fein gleichmäßig auf
den Schemel legen. Schön nach der Reihe. Und dann: „Zapfenstreich“
Also, bleibt recht gesund und schreibt mir
bald wieder einmal.
Viele Grüße zur
„Guten Nacht“
Euer
Wolfgang
Ihr könnt auch
mal Grüße an Meiers, Nötzolds usw. ausrichten.
Briefmarken
benötige ich keine. Die versorge ich mir durch die Schreibstube.