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Brief vom 24.09.1944

Jablunkau, den 24.9.44

Meine lieben Eltern und liebe Ilse!

Heute zum Sonntag will ich Euch wieder ein paar Zeilen zukommen lassen. Ich weiß zwar nicht viel zu schreiben, aber etwas wird’s schon werden.

Euren lieben Brief vom 21.9.44 (Nr. 37) habe ich gestern mit großer Freude erhalten. Habt recht vielen Dank dafür.

Gestern haben wir das erste Mal einzeln Ausgang gehabt. Das heißt, immer mindestens 3 Mann, aber trotzdem nicht unter Bewachung von Hilfsausbildern. Ich war mit noch 5 Kameraden im Kino. „Die unheimliche Wandlung des Alex Roscher“ wurde gespielt. Ein prima Kriminal-Film. - - Soeben bin ich vom Mittagessen zurückgekommen. Haute gab es: Teigwaren-Suppe, Schweinefleisch, Kartoffeln, Möhren-Gemüse, 3 Birnen und 4 Bonbon. Allerdings habe ich mir ein paar mehr Birnen und Bonbons geholt. Das heißt, ich habe sie natürlich bekommen. - - Heute Abend habe ich wieder Wache. Jetzt ist es Nachts immer ziemlich kalt. Wir ziehen schon unsre Wettermäntel drüber. Gestern haben wir Wintermützen, Schnürschuhe, Laufschuhe und Trainingsanzug bekommen. Ich möchte nur wissen, wo man das ganze Gelumpe noch hin hängen soll. Mein Spind geht bald nicht mehr zu. Na, die Hauptsache ist ja schließlich, daß wir bald entlassen werden. Aber da sind jetzt trübe Aussichten. - -

Ja, mit dem Einsatz ist das so zu verstehen: Der Betreffende Zug fährt früh 4.00 Uhr hier weg bis an die slowakische Grenze. Dann beginnt die Einteilung der Arbeiten bzw. Streifen. Der 2. und 3. Zug mußte „Spanische Reiter“ bauen, sowie andere Hindernisse. Der 4. und 1. Zug muß Schützengräben und unterstände auswerfen. Abends fährt dann der Zug wieder zurück. Allerdings wird diese Woche ein Zug (wahrscheinlich unser Zug) zur Bandenbekämpfung abgestellt. Die Brüder werden jetzt hier ziemlich frech. Vorigen Sonntag gab es auch den ersten Toten. Bei einer Streife im Arbeitseinsatz aus dem 3. Zug. Er war aus Oberschlesien. Ihr braucht aber nun nicht gleich zu denken, daß es allen so geht. Das ist hoffentlich der Letzte.

Nun weiß ich aber nichts weiter zu berichten. Bleibt weiterhin recht gesund und seid bis zum nächsten Brief vielmals herzlichst gegrüßt von

Eurem

Wolfgang

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Stand: 21.10.02