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Brief vom 02.09.1944

Wolfgang Engewald                                 Jablunkau, den 2. September 1944

Arbeitsmann

RAD.-Abtlg. 4/121 (122)

Jablunkau

 

Meine lieben Eltern und liebe Ilse!

Entschuldigt bitte, daß ich Euch erst jetzt wieder schreibe, aber leider war die Zeit immer sehr knapp. Inzwischen hat sich hier auch ein ganz schöner Haufen Post von Euch angesammelt. Aber heute muß ich mir eben Zeit nehmen, sonst komme ich doch auf den Hund! Ja, also nun zur Post. Bis zur letzten Karte (Nr. 22) vom 29.8.44. ist alle Post da. Habt recht herzlichen Dank dafür. - -

Von hier kann ich nur berichten, daß, wahrscheinlich genauso wie bei Euch, eine elende Hitze ist. – Inzwischen sind wir nun auch vereidigt worden. War das ein Festtag. Den muß ich Euch einmal ganz genau schildern. Also, früh 7.00 Uhr mußten wir uns von unseren lieben Strohsäcken trennen. Dann hatten wir Zeit bis 8.00 Uhr. Da konnten wir unsere Betten bauen, waschen, anziehen u.s.w. Nach dem Frühstück, welches 8.00 Uhr war und nur aus Brot, Butter u. Marmelade bestand, fanden Vorbereitungen zur Vereidigung statt. 9.30 Uhr begann dann der feierliche Akt mit einer Anzahl von Ehrengästen. Anschließend hatten wir frei. Nun kommt das Beste vom Tag. Mittagessen.!

Vorerst bekamen wir eine Suppe. Dann Kartoffeln, und zwar Salzkartoffeln (also ohne Schale) Soße und ein ordentliches Stück Fleisch. Das war schon viel Wert. Als Nachtisch bekamen wir Pudding. Also, - liebe Muttel, ich will Dich nicht etwa beleidigen, aber so einen Pudding habe ich noch nie gegessen. Ich war direkt platt, daß so etwas Oberschlesien aufweisen kann, denn sonst ist hier nicht viel los in der Art der Kocherei. Z.B. haben wir jeden Abend ein und dieselbe Wurst. Auf dem Speiseplan steht allerdings: Jagdwurst, Preßwurst, Wiener Wurst, Krakauer Wurst, Tee-Wurst, Bier-Wurst und wer weiß, was alles noch. Es ist aber immer ein und dasselbe. – Nun aber weiter zur Vereidigung. So gegen ½ 3 Uhr wurde zum Kaffee und Kuchen herausgepfiffen. Der Kuchen war auch gut. Allerdings schmeckt er zu Hause besser. Aber man ist ja nicht verwöhnt. Um 4 Uhr ist dann die ganze Abteilung ins Kino gerückt. „Herbstmanöver“ wurde gespielt. Das war allerdings Mist. Nicht etwa der Film, aber das Kino. Das Kino selbst befindet sich im Rathaus, 1. Stockwerk. Als wir nach 2 Stunden Kinobesuch und 1 Stunde Freizeit unser Abendbrot verspeist hatten, haben wir in unserer Stube es vorgezogen, bereits ½ 8 Uhr wieder unseren Strohsack aufzusuchen. Das war außer dem Entlassungstag, bestimmt der schönste Tag in meiner RAD.-Zeit. Ausgang bekommen wir nicht. Der Grund hierzu ist ja leicht zu erklären. – Pakete gehen hier immer noch in einer großen Zahl ein. Mir persönlich würde eine Paket-Sperre nur Erleichterung bringen. Heute sind wieder über 20 Pakete und noch eine Anzahl Päckchen eingegangen. Ich fahre jetzt schon mit dem Pferdewagen auf die Post. Allerdings ist da noch ein Kutscher dabei, denn sonst würde ich ja sonst wo landen, nur nicht vor der Post! Heute war ich in einer Konditorei und habe mir Eis gekauft. Das war ja auch ein Genuß! Für 1,50 RM habe ich verdrückt. – Gestern sind wir zum 3. Mal geimpft worden. – Heute muß unsere Stube wieder Wache schieben, aber ohne mich! – An die Firma habe ich auch wieder einmal geschrieben. Allerdings habe ich bis heute noch keine Antwort. Da kann mich die Firma Keller eben am A.... lecken! Von Meyer Horst, der mit mir weggefahren ist, habe ich einen Brief erhalten. Der liegt im Krankenhaus. – Ja, lieber Vatel, Du schreibst, daß ein Drittel meiner Dienstzeit vorüber ist, da kann ich nur sagen, daß es wahrscheinlich schon die reichliche Hälfte ist. Das heißt, wenn wir nicht in Einsatz kommen. – Beim letzten Fliegeralarm hat es hier in der Nähe ganz anständig gekracht. Die Orte Oderberg und Mähr.-Ostrau sind ja auch im Nachrichtendienst genannt worden. Ja, ich hätte beinahe vergessen, Euch zu schreiben, daß die Bilder hier wohlbehalten angekommen sind. Sie sind ganz nett geworden. Anbei schicke ich Euch die 6 Bilder wieder zurück. 1 habe ich da behalten, damit ich etwas in meinen Bilderrahmen zu stecken habe. – Die Verwundung von Herbert hat mich in Erstaunen gesetzt. Hoffentlich kommt er gut davon. Zum Filme schreiben komme ich hier nicht. Da reicht die Zeit nicht aus. Aus der Leihbücherei habe ich mir auch schon etwas geliehen.

Liebe Ilse! Auf Deine lieben Briefe, bzw. Karten antworte ich Dir später. Es ist nämlich schon 10 Uhr. Der Zapfenstreich ist schon längst vorüber. Sei mir bitte deshalb nicht bös. Das, was ich jetzt geschrieben habe, ist ja auch mit für Dich bestimmt.

                Nun muß ich aber Schluß machen.

                Bleibt recht gesund und seid nun vielmals herzlichst gegrüßt von

                                                               Eurem

Wolfgang

Anbei 6 Bilder.

         und 3 Karten.

Diese 3 Ansichtskaten habe ich heute in der Stadt gekauft. Ich schicke sie Euch gleich unbeschrieben zu, denn es geht ja sowieso nicht viel drauf.

Das Sanatorium liegt gleich neben uns. Das ist ein Riesenbau. Dort waren wir röntgen.

                                                               Nun aber

                                                                            „Gute Nacht“!

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Stand: 21.10.02