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Brief vom 02.10.1944

Jablunkau, den 2.10.

Meine lieben Eltern und

liebe Ilse!

Heute kam wieder Post von Euch. Brief Nr. 42. Mit der Geburtstagskarte aus Aue. Habt recht vielen Dank dafür. Gefreut habe ich mich natürlich, wie immer, sehr.

Eigentlich ist es nicht richtig von mir, wenn ich Euch so lange warten lasse, aber gerade in den letzten Tagen haben wir so viel zu tun, daß man kaum noch zum Essen kommt. Es ist bereits wieder 9.00 Uhr (21.00) nach der neuen Uhrzeit. Vergangene Nacht hatte ich Wache. Von 22.00 – 24.00 Uhr. Da hat man auch nicht gerade Lust sich hinzusetzen und zu schreiben. Da ist man froh, wenn man in seiner Falle liegt. Ich bin jetzt immer so müde, daß ich kaum noch mit offenen Augen hinter meinem Schreibtisch sitzen kann. Wenn der Verwalter nicht da ist, dann schlafen wir auch ab und zu mal etwas, aber richtiges „schlafen“ kann man das auch nicht nennen. –

Aber ich will Euch ja nicht vom schlafen schreiben. –

Heute habe ich einmal eine Frage, vor der ich augenblicklich stehe, und um deren Rat ich Euch bitte.

Es ist mir vom Abteilungsführer aus die Frage gestellt worden, ob ich denn nicht länger hier im RAD. bleiben will. Und zwar kann ich hier in der Verwaltung bleiben. Das heißt: Ich leiste meine reguläre Dienstzeit (wahrscheinlich ¼ Jahr) ab, bekomme dann „vielleicht“ Urlaub und zwar 1 Woche, fahre anschließend wieder hierher und bleibe dann als längerdienender Arbeitsmann in der Abteilung. Nach 4 Wochen (bei der Vereidigung der neuen Einstellungswelle) werde ich zum außerplanmäßigen Vormann befördert, und zwar in der Verwaltungslaufbahn. Dort bleibe ich so lange, bis die neue Einstellung zur Nachr. Ers.-Abtlg. Erfolgt. Dann komme ich dorthin, wo ich eben nach der Entlassung der regulären Dienstzeit (vielleicht Chemnitz) auch hingekommen wäre. –

Einesteils ist das ganz schön, wenn ich ein paar Monate später zur Frontbewährung komme, aber anderen teils hat dies auch seine Schattenseiten. Vielleicht könnt Ihr mir da einen guten Rat geben. –

 Ja, lieber Vatel, Du schreibst, ob ich von der Wache nicht ausgeschlossen wäre! In den ersten 14 Tagen habe ich fast keine Wache geschoben, aber jetzt, wo bald 1/3 der Abteilung weg ist, und außerdem noch 60 Mann als Tagesposten, dann Kranke usw., die Nachts auch keine Wache stehen. Dazu kommen noch rund 40 Mann täglich, die in Einsatz sind. Es sind also verflucht wenig Arbeitsmänner da. Deshalb kommen wir jeden zweiten Tag dran. Na, daß geht immer noch.

Heute hat es den ganzen Tag geregnet. Ununterbrochen. Es tropft jetzt noch auf das Dach. –

In der Schreibstube friere ich überhaupt nicht. Wir haben jeden Tag Feuer im Ofen. Da ist es immer gemütlich. Wenn das Holz im Ofen knistert und draußen klopft der Regen an die Fenster, dann kommt es mir vor, als wäre ich zu Hause. –

Ich glaube, ich träume schon.

Es ist ja auch bald Zeit zum schlafen.

Für heute möge dies wieder genügen.

Bleibt nun alle recht herzlichst gesund, und seid vielmals gegrüßt von

Eurem

Wolfgang

Grüßt bitte Hanzlichs usw. mit von mir.

Übrigens, den kleinen roten Taschenatlas habe ich bei mir. Es ist schade, daß die Orte nicht auf dem großen Atlas sind.

Ich müßte höchstens meinen kleinen abschicken. Vielleicht am Besten per Einschreiben, damit er nicht verloren geht.

Gute Nacht

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Stand: 21.10.02