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Brief vom 07.10.1944

Jablunkau, den 7.10.44

Meine lieben Eltern und liebe Ilse!

Heute ist wieder einmal Schreibtag in der Verwaltung. Es ist zwar schon 21.00 Uhr und in 10 Minuten ist „Locken“, aber wenn wir etwas später auf die Stube kommen, dann ist das auch nicht so schlimm. –

Eure lieben Briefe (Nr. 44 u. 45 v. Ilse) und die beiden Karten (43 u. 46) habe ich gestern bzw. heute erhalten. Habt recht vielen Dank dafür.

Meinen letzten Brief werdet Ihr wohl nun inzwischen erhalten haben. Freilich ist es nicht richtig von mir, daß ich Euch immer so lange auf Post warten lasse, aber die Zeit langt hier ja auch hinten und vorne nicht zu.

Von Werner habe ich auch Post bekommen. Er schrieb mir, daß der RAD seine schönste Militärzeit gewesen wäre. – Ich glaube, das werde ich von mir in einigen Jahren auch behaupten können. –

Na, im Bett brauche ich nun Gott sei Dank nicht zu liegen. Zur Zeit fühle ich mich gesundheitlich ganz wohl.—

Wenn Ihr mir das so schildert, wie es nun zu Hause aussieht, daß die großen Töpfe mit Badewasser auf dem Ofen stehen u.s.w., dann kommen einem manchmal Momente, wo man am liebsten hier ausreißen möchte und nach Hause! Aber dann überlegt man sich, daß es vielen so geht und schon ist alles vorüber. –

Ja, mein Klavier! Das fehlt mir hier auch sehr aber wenn ich dann nach Hause komme, dann bin ich aber auch „zu Hause“ und nirgends anders. –

Nun, liebe Ilse, geht es Dir schon wieder besser? Einerseits kannst Du froh sein, daß Du den Krankenschein hast, aber es ist wiederum auch nicht angenehm, mit Magenschmerzen zu Hause zu bleiben. –

Bitte, schreibt mir nur recht bald, wie Ihr über die Sache mit meiner Verwaltungslaufbahn beim RAD. denkt. Ich muß ja sagen, daß es für mich günstiger wäre, wenn ich hier bliebe, denn 1. habe ich dann als Vormann eine einwandfreie Verpflegung, 2. wird dadurch meine Frontbewährung etwas hinausgeschoben und 3. habe ich die Möglichkeit mich einmal zu Hause in RAD-Uniform sehen zu lassen. Aber trotzdem würde ich mich ganz nach Eurer Entscheidung richten. –

 Von hier selbst wäre nichts weiter von Bedeutung zu berichten, höchstens, daß es gestern wieder „Grießbrei“ mit Butter, Zucker u. Fruchtsaft gab. Daß war wieder mal was für meinen Magen. Allerdings habe ich heute dafür etwas weniger gegessen, denn da gab es „Gelinge“. Kenn Ihr das? So’ne Art „Flecke“ aber nicht sauer, nicht süß und nur fettes Fleisch. Außerdem keine Kartoffelstückchen sondern Pellkartoffeln.

Ich habe heute Mittag dafür noch aus der Führermesse bei den Servier-Ordonnanzen eine Schüssel kalten Grießbrei mit Zucker geholt. Das hat schon besser geschmeckt als „Gelinge“!

Nun ist eigentlich wieder mal meine ganze Weisheit zu Ende. Es ist ja auch schon spät genug. – Müde bin ich auch, denn vergangene Nacht von 2.00 – 4.00 Uhr Nachtwache, das sind immerhin 2 Stunden, na und die fehlen schon.

Nun will ich schließen.

Bleibt recht gesund und seid vielmals herzlichst gegrüßt von

Eurem

Wolfgang!

Der Am. Hammer aus meinem Trupp ist gestern auf Urlaub gefahren. Er hat angegeben, seine Mutter sei schwer krank. Da hat es 4 Tage Urlaub bekommen. Da hat er auch nichts davon!

Nun: „Gute Nacht!“

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Stand: 21.10.02