Brief vom 11.08.1944
Meine lieben Eltern und Ilse!
Gestern erhielt
ich nach langem Warten Eure beiden Briefe. Ich habe mich riesig gefreut darüber.
Habt auch recht vielen Dank dafür. –
Zuerst will ich
Euch wieder eine Neuigkeit mitteilen. Ich liege seit 3 Tagen in der
Krankenstube. Ihr braucht Euch aber keine Sorgen zu machen. Ich hatte nur etwas
Fieber und Kopfschmerzen, aber es geht mir schon wieder ziemlich gut. Ich hoffe
auch bis Sonntag wieder entlassen zu werden. Entschuldigt bitte die Schrift,
aber ich liege hier im Bette und da geht es eben nur so. Ich nehme aber an, das
Ihres lesen könnt.
Nun möchte ich
auf Eure Post zurückkommen. Meinen zweiten Brief werdet Ihr bereits erhalten
haben. –
-- Eine
Dienstbrille erhalte ich leider nicht. Für die Schreibstube ist das ja auch
nicht unbedingt nötig. An die Buchhandlung habe ich auch schon geschrieben. Die
Post braucht hier eben so furchtbar lange. Hat Ilse auch den Engel mitgenommen?
– Hoffentlich bekomme ich das Zeugnis wieder, daß das nicht bei Frl. Puschmann
untergeht, denn gewöhnlich ist das so. Außerdem hatte ich noch ein paar Bitten
und zwar, wenn wieder einmal jemand nach Stollberg kommt, die 2 Bücher, die ich
zum Lesen hatte, Frl. Puschmann mitzunehmen. Die beiden Bücher stehen in meinem
Schrank und zwar auf dem vorletzten Fach von unten ganz links. Sie heißen:
„Nachbarsleute“ v. L.
(???) und „Gösta Berlingen“ von L. Lagerlöf. Die habe ich vergessen
abzugeben. – Briefmarken braucht Ihr mir nicht mehr zu schicken. Ich gehe
nämlich jeden Tag in die Stadt zur Post und da kann ich mir genügend versorgen.
Für das gesamte Lager bringe ich Briefmarken mit, weil ich ja der Einzige bin
der in die Stadt kommt. –
An Kunzes wollte
ich auch noch schreiben. Ich dachte, die würden in Pleß wohnen. Durch Pleß sind
wir mit dem Zug gefahren.
–
Daß die Firma
nur keinen Pfennig gegeben hat, das konnte ich mir denken. – Den ganzen Sonntag
habe ich fleißig mit der Schreibmaschine geschrieben. Die Stammrollen mußten
ausgefüllt werden. Über 200 Stück. Das ist eine ganz schöne Arbeit. – In den
letzten Tagen war es auch bei uns sehr warm. Meine Kameraden haben es auch schon
dicke, den Dienst. Immer exerzieren! – Meine Uhr läuft auch noch wie ein Davidl!
Sie kann ich sehr gut gebrauchen. Wir liegen zu viert in der Krankenstube. Wir
haben also immer Unterhaltung. Sonst ist wohl alles noch beim Alten in Oelsnitz!
Über den Dienst kann ich Euch leider nichts schreiben, denn wenn ich dabei
erwischt werde, bekomme ich 3 Tage Bau! –
Nun möchte ich
wieder schließen, denn meine Arm tut langsam weh!
Bleibt weiterhin
recht gesund und vielmals herzlichst gegrüßt von
Euerem
Wolfgang
Ist im
Oelsnitzer Kino schon „Immensee“ gespielt worden?
Hier ist doch
ein Kino! Im Lager gibt es sehr wenig zu trinken!--