Brief vom 12.08.1944
Jablunkau, d. 12.8.44
Meine lieben Eltern! Liebe Ilse!
Soeben erhielt
ich Eure liebe Karte (5) vom 9.8.44. Ich habe mich sehr gefreut und danke Euch
dafür. – Ihr werdet ja bestimmt verwöhnt, wenn ich Euch so oft schreibe, aber
das ist nur jetzt in der Heilstube! Da habe ich genug Zeit. Ich bin schon nicht
mehr krank, ich sitze nur aus Blödsinn hier! Na, mir ist ja genug. Das Paket ist
bis jetzt noch nicht hier. Morgen ist Sonntag, da bekommen wir auch keine Post.
–
Darbt Euch nur
nichts ab für mich! Das wäre Unsinn! -- -- Nun liebe Muttel! Das Briefpapier
könnt Ihr ja schicken. Wenn ihr wollt, natürlich! Sonst behalten wir es für uns
! -- -- Die Adresse ist: Frl. E. Erler, Sto. Schillerplatz. Aber Du
kannst das __chen wie Du es für richtig hältst. –
So, ich weiß
eigentlich gar nicht, was ich schreiben soll. Morgen Vormittag macht die
Abteilung einen Ausmarsch an die slowakische Grenze. Viel Vergnügen! -- --
Bier mußten wir hier auf einmal bekommen, aber leider. Na, wenn ich
wieder auf die Post gehe, dann werde ich mir schon helfen. -- -- Was macht denn
der Garten? Meine Kastanie? -- -- Alles noch beim Alten? -- -- Vorgestern gab es
für’n Mann 3 Äpfel und 1 Zitrone. Also, mir gesagt, das Essen ist
hier nicht schlecht auch reichlich, nur fehlt hier so was wie „Quarkkeulchen“
oder „Klöße“! Na, dafür komme ich ja in 10 Wochen wieder nach Hause! Hier
in der Heilstube sind fast alles Fuß-Kranke! – Bald hätte ich vergessen Euch
mitzuteilen, daß gestern alle geimpft worden sind, außer mir! Ich bin ja
„Fieberkranker“! Gegen Diphtherie und Scharlach. Ich werde aber geimpft wenn ich
wieder gesund bin. – Es ist jetzt gegen 8.00 Uhr. Wir haben hier Radio in
der Heilstube. Prima Musik immer!
–
Obwohl ich fast
den ganzen Tag geschlafen habe, bin ich jetzt müde.
Ich werde Euch
wohl morgen noch etwas schreiben, denn morgen ist Sonntag. – Nun will ich aber
schließen sonst falle ich hier noch vom Stuhl und außerdem ist es schon ziemlich
dunkel. –
Also, bleibt
recht gesund und seid nochmals herzlichst gegrüßt von
Eurem
Wolfgang